In einer Testphase im Stadtverkehr Eberswalde konnten die Fahrgäste
im Januar 2010 das kommende O-Bus-Modell, den SOLARIS TROLLINO 18, bereits
ausführlich begutachten und testen.
Das ausgeliehene Modell lief bisher auch bei den Österreichern in Salzburg
als Vorserienmodell im Test. Ganze 2.800 Kilometer legte der Bus in der
zweiwöchigen Testphase zwischen Nordend, Ostend, Kleiner Stern und
dem Brandenburgischen Viertel zurück.
In einer anschließenden Meinungsumfrage hatten alle Fahrgäste
die Gelegenheit, Hinweise, Verbesserungsvorschläge und Kritiken zu äußern.
Zahlreich beteiligten sich Jung und Alt an der Umfrage und schnell wurde
klar, die Meinungen zum neuen O-Bus sind so unterschiedlich wie die Fahrgäste
selbst.
Dies wird auch die Barnimer Busgesellschaft und ihre Angestellten bei der
weiteren Planung noch vor Herausforderungen stellen. So scheint das einzig
mögliche Ziel des Unternehmens, die goldene Mitte treffen.
Und so trafen sich Mitarbeiter der Barnimer Busgesellschaft mit Vertretern
der Hersteller SOLARIS Bus & Coach und CEGELEC um die zweiwöchige
Testphase in allen Einzelheiten auszuwerten.
Auch die Meinungen, Anregungen und Wünsche der Fahrgäste fanden
Gehör, konnten aber nicht in allen Punkten berücksichtigt werden.
Schnell stellte sich bei der Auswertung der Umfrage heraus, dass vor allem die Sitzplätze, ihre Anzahl und Flächen auf herbe Kritik stießen. Die Sitzbreite sowie die Sitztiefe missfielen den Fahrgästen sehr. Und auch die Erreichbarkeit der Sitzplätze wurde, wenn auch unterschiedlich wahrgenommen, kritisiert. So sprachen einige Fahrgäste sogar vom „Erklimmen“ der Sitzplätze. Wieder andere lobten die niederflurigen Sitzgelegenheiten.
Das Salzburger Modell bot in der Tat weniger Sitzplätze, als die nun
gewohnte Bestuhlung der aktuellen Flotte. 46 Sitzplatzgelegenheiten stehen
den Fahrgästen in den MAN-Fahrzeugen jetzt zur Verfügung. Die
Neufahrzeuge von SOLARIS werden insgesamt 41 Sitzplätze sowie 3 klappbare
Sitzmöglichkeiten bieten. Die Sitzplatzanzahl wird somit lediglich
um 2 Sitzmöglichkeiten reduziert.
Gleichzeitig stehen dafür aber mehr Flächen für Kinderwagen,
Rollstuhlfahrer und Fahrgäste mit Rollatoren zur Verfügung.
War bisher nur der Einstieg an der 2. Tür gegeben, so ist mit den Neufahrzeugen
nun auch der Einstieg an Tür 2 und 3 möglich.
Der Barnimer Busgesellschaft scheint die Reduzierung von lediglich 2 Sitzplätzen
für zusätzliche Flächen für Fahrgäste mit eingeschränkter
Mobilität ein sehr guter Kompromiss zu sein. Langfristig sollen sich
Rollstuhlfahrer und Fahrgäste mit Rollatoren auf den Einstieg an der
2. Tür konzentrieren, Fahrgäste mit Kinderwagen konzentrieren
sich dagegen bitte auf den Einstieg an der 3. Tür.
Eine Besonderheit der
Neufahrzeuge werden auch die 13 niederflurigen Sitzplätze
sein. Diese sollen vor allem den älteren Fahrgästen die Möglichkeiten
bieten, ungehindert und eben ohne „Erklimmen“ den Sitzplatz
zu erreichen. Bisher sind alle Sitzplätze der jetzigen Fahrzeugflotte
nur über ein Podest erreichbar.
Die so stark kritisierten Sitzplätze werden durch Sitze eines anderen,
bereits erprobten Herstellers eingebaut. Auch werden unnötige Zwischenabstände
reduziert um noch mehr Platz zu schaffen.
„Das Fiepen bei der Türschließung ist zu laut und nervt.“,
so der O-Ton eines Fahrgastes. Besonders die akustischen Signale wurden
von den Fahrgästen kontrovers diskutiert.
Stellte sich beim Treffen mit Mitgliedern des örtlichen Behindertenverbandes
heraus, die akustischen Signale, zum Beispiel beim Schließen der Türen,
seien zu leise, so monierte ein Großteil der Befragten allerdings
die Lautstärke.
Als recht unangenehm und zu laut wurde dieser Signalton empfunden. Fahrgäste
in Griffhöhe hellgrün gekennzeichnet. Entlang der Haltestangen entsteht
somit eine Sichtlinie und soll damit eine noch bessere Orientierung bieten.
Die Flächen für Rollstühle und Kinderwagen werden durch entsprechende
Signets auf dem Fußboden gekennzeichnet.
Nach den ausführlichen und heiß diskutierten Wünschen und
Anregungen der Fahrgäste galt es besonderes Augenmerk auf technische
Optimierungen zu legen.
Neben der Optimierung bei der Anfahrt standen unter
anderem auch die Lautstärke
des Motors und der Lüftung zur Debatte. Das Fahrpersonal bat einheitlich,
im Rahmen der technischen Möglichkeiten, um eine Verringerung der Lautstärke.
Hierzu werden in der laufenden Entwicklungsphase weitere Feinabstimmungen
getroffen.
Und auch der Arbeitsplatz des Fahrpersonals wurde in seinen Einzelheiten
besprochen. Die Höhe des Fahrersitzes, akustische Signale beim Ein-
und Ausstieg der Fahrgäste und die Anbringung des Kassiertisches wurden
diskutiert.
Im Rahmen der technischen und finanziellen Möglichkeiten
hat sich die Barnimer Busgesellschaft selbstverständlich das Ziel gesetzt,
die Fahrzeuge nach den Bedürfnissen der Fahrgäste auszustatten.
Allerdings kann auf Grund der unterschiedlichen Fahrgastgruppen wie Schüler
und Senioren, Berufspendler und Reisende nur ein Kompromiss gefunden werden.