BARNIMER BUSGESELLSCHAFT

Deutschlands ältester O-Busbetrieb
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O-Busse in Eberswalde



Kapitel 1: (1842 - 1945)
Pferdedroschke - Gleislose Bahn - Straßenbahn - 1. O-Bus

Neustadt-Eberswalde wurde 1842 an das Staatsbahnnetz der Berlin-Stettiner Eisenbahn angeschlossen. Da die Stadt allerdings überhaupt kein Interesse an diesem Anschluss zeigte, wurde die Eisenbahnlinie an der Stadt vorbeigeführt und ein Beförderungsbedarf zum Bahnhof erzeugt. Der Grundstein des öffentlichen Personennahverkehrs in Eberswalde wurde damit gelegt. Fahrgäste, auch aus den umliegenden Gemeinden, gelangten fortan in Postkutschen und Pferdedroschken entlang der Eisenbahnchaussee, heute Eisenbahnstraße, von und zum Bahnhof. Die Fahrt war allerdings mühsam, denn die Eisenbahnchaussee war ein ungefestigter Weg und bei schlechtem Wetter nur schwer passierbar.

Die Eisenbahndirektion ließ daraufhin 1860 die Straße auf eigene Kosten pflastern und ebnete der ersten Pferdeomnibus-Linie (1865) den Weg. Die Entwicklungen im Verkehrswesen wurden um die Jahrhundertwende schnell vorangetrieben. Denn auch die Elektrizität war nun weitestgehend aufklärt und brachte wirtschaftliche Vorteile mit sich. Dem elektrisch angetriebenen Kutschenwagen „Elektromote“ (1882 von Werner von Siemens) folgte schnell die gleislose Bahn (1900), die erstmals auf der Pariser Weltausstellung präsentiert wurde.

Die gleislose Bahn, Bauart Lombard-Gérin, zeichnete sich durch einen synchron auf der Fahrleitung selbstfahrenden Kontaktwagen aus. Dieser Kontaktwagen wurde durch einen Elektromotor angetrieben. Die Berliner Ingenieurfirma Johann Friedrich Brandt unterbreitete im Januar 1901 der Stadt Eberswalde ein Angebot für den Bau einer solchen Anlage.


ERSTE O-BUSLINIE
NIMMT DEN BETRIEB AUF


Mit der Aussicht auf eine dreißigjährige Konzession und dem langfristigen Ausbau der Linie erteilte die Stadt Eberswalde schließlich die Genehmigung. Am 22.03.1901 nahm die erste Eberswalder O-Buslinie offiziell den Betrieb auf. Mit 12 km/h fuhr die Linie vom Alsenplatz (heute: Karl-Marx-Platz) zum Vorplatz des Staatsbahnhofes und war nun doppelt so schnell wie ein Pferdeomnibus. Ausgestattet mit Polsterbänken, Gardinen und elektrischem Licht, beförderte das erste 16 PS starke Fahrzeug erste Fahrgäste für 10 Pfennige.

Nach nur 3 Monaten musste der Versuchsbetrieb allerdings wieder eingestellt werden, da die Bedienung des Fahrzeuges große Ansprüche an den Wagenführer stellte. Auf einer Plattform musste der Wagenführer zuweilen Lenkrad, Fahrschalter, Kontaktbremse und die Handbremse gleichzeitig bedienen. Auch die schlechten Straßenverhältnisse und Schwierigkeiten mit der Stromversorgung und dem Kontaktwagen trugen zur Einstellung bei.



WEITERENTWICKLUNG STOCKT -
STRASSENBAHN STEHT ZUR DISKUSSION


Trotz entscheidender technischer Weiterentwicklung des O-Bussystems in den folgenden Jahren gaben die Eberswalder Stadtverordneten am 10.08.1909 zunächst der Errichtung einer elektrischen Straßenbahn den Vorzug. Am 01.09.1910 wurde die 3,4 km lange eingleisige Straßenbahnstrecke feierlich eröffnet. Die Strecke führte vom Kleinbahnhof über den Hauptbahnhof, Markt zur Saarstraße.

Durch den 1. Weltkrieg und die sich anschließende Wirtschaftskrise wurde die Weiterentwicklung des O-Busses um Jahre hinausgezögert. Erst ab 1936 wurde in Deutschland die Errichtung von O-Busnetzen verstärkt vorgenommen. Grundlage dafür bildete eine Verfügung des Reichsministers für Rüstungs- und Kriegsproduktion des faschistischen Deutschlands. Im Zuge dieser Entwicklungen erhielten auch die Eberswalder Ardelt-Werke eine besondere Bedeutung.

Als Hersteller von Rüstungsgütern lockten die Ardelt-Werke Facharbeiter aus ganz Deutschland in die Region. Das erhöhte Fahrgastaufkommen trieb die Eberswalder Straßenbahn schnell an ihre Kapazitätsgrenze. Ein Ausbau der Straßenbahn oder gar der Ersatz stand damit zur Diskussion. Gegen einen Ausbau der Straßenbahn sprach allerdings, dass der Fahrplantakt auf Grund der eingleisigen Strecke nicht weiter erhöht werden konnte. Und da an den Endpunkten keine Wendeschleifen vorhanden waren, gestaltete sich auch der Einsatz von Beiwagen schwierig. Parkende Fahrzeuge auf den Hauptgeschäftsstraßen, die auch von der Straßenbahn befahren wurden, beeinträchtigten zusätzlich den stetig steigenden Verkehrsablauf.


ENTSCHEIDUNG FÜR DEN O-BUS FÄLLT


All diese Faktoren begünstigten letztlich die Entscheidung für ein anderes Verkehrsmittel: den O-Bus. Er erhielt den Vorzug nicht nur auf Grund seiner Geräuscharmut und seiner Geräumigkeit. Bereits vorhandene Ressourcen wie die Umformeranlagen der Straßenbahn und die Wagenhalle konnten weiterhin für die O-Busse genutzt werden. Die Stadtwerke erteilten schließlich  im Februar 1939 der Firma Brown, Boveri & Cie. (BBC) den Auftrag zur Errichtung einer O-Busanlage mit einem Einstangensystem. Bereits im Januar 1940 sollte die offizielle Inbetriebnahme erfolgen und die Straßenbahn ersetzen.

Die Fertigstellung der Einstangen-Fahrleitungsanlage bereitete allerdings große Probleme und auch die Fahrzeuge konnten nicht termingerecht geliefert werden. Erst neun Monate später konnten die O-Busse vom Typ MPE I tatsächlich geliefert werden. Am 03. November 1940 wurde der O-Bus offiziell an das Netz angeschlossen und rollt seitdem durch Eberswalde. Fünf O-Busse (Typ MPE I) verkehrten im 10-Minuten-Takt auf der 6,1 km langen Strecke. Sie verlief von Westend über Boldtstraße, Kleinbahnhof, Hauptbahnhof, Markt, Friedhof, Saarstraße zur Stadtrandsiedlung Ostend. An der Kreuzung Freienwalder Straße/Saarstraße befand sich ein zweispuriger Abzweig zur Artillerie-Kaserne (heute Ostend). Der Fahrpreis betrug damals 15 Reichspfennige.

Der Wagenpark wurde im August 1941 um drei O-Busse erweitert und umfasste im Januar 1944 insgesamt 10 Fahrzeuge. Aber auch diese 10 Fahrzeuge konnten der steigenden Fahrgastnachfrage nicht standhalten. Vier weitere Fahrzeuge müssen daraufhin zusätzlich bestellt werden mussten.



AUSWIRKUNGEN DES 2. WELTKRIEGES

Bereits 1943 wurden erste Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf den O-Busverkehr sichtbar. Obwohl ein enormer Beförderungsbedarf bestand, machten sich Personal- und besonders der Ersatzteilmangel im Betriebsablauf stark bemerkbar.

Die Stadtwerke waren sogar gezwungen bei der Aufsichtsbehörde um die Einstellung des Sonntagsverkehrs und um die Schließung von Haltestellen zu bitten. Auf Grund der Evakuierung der Berliner Siemens-Schuckert-Werke gegen Kriegsende konnten auch nur zwei der zuletzt bestellten vier O-Busse nach Eberswalde geliefert werden. Die beiden O-Busse vom deutschen Typ KEO I (Kriegseinheitsbus Normgröße 1) waren aber nur in stark vereinfachter Bauweise ausgeführt und teilweise unvollständig ausgestattet.



ANGRIFF AUF EBERSWALDE

In der Nacht vom 25.04. auf den 26.04.1945 wurde Eberswalde durch einen Bombenangriff stark zerstört. 30 bis 40% der Innenstadt fielen diesem Angriff zum Opfer. Auch die Fahrzeughalle und die Werkstatt blieben nicht verschont und brannten zum größten Teil aus. Die sich darin abgestellten acht O-Busse und drei Anhänger sind dem Brand zum Opfer gefallen. Zwei O-Busse, vier Beiwagen und ein Omnibus konnten durch entsprechenden Reparaturmaßnahmen aber wieder instandgesetzt werden. Die beiden O-Busse von deutschen Typ KEO I (Kriegseinheitsbus Normgröße 1), die außerhalb des Eberswalder Depots abgestellt worden waren, überstanden den Bombenangriff unbeschadet. Sie konnten aber nach wie vor, wegen fehlender Ausrüstung nicht eingesetzt werden.

Auch die gesamte Fahrleitung wurde in Eberswalde zerstört, weshalb der Verkehr nicht mehr aufrechterhalten werden könnte und eingestellt werden musste.  Da die Fahrleitung von den flüchtenden Militärkolonnen beiseite geräumt und dabei zerschnitten wurde, lag sie in den Seitenstraßen der Stadt zerstreut. Nur in Ostend und an der Artilleriekaserne gab es noch längere unbeschädigte Fahrleitungsabschnitte.


Nächstes Kapitel:

  • Kapitel 2: 1945 - 1958 Der mühsame Wiederaufbau nach Kriegsende (erhältlich am 20. November 2011)



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